Kennst du das Gefühl? Du stehst vor einer wichtigen Entscheidung und weißt einfach nicht, wie du vorgehen sollst. Am Morgen scheinst du klar zu denken, am Abend dominiert die Angst. Ein paar Tage später kommst du zu einer Entscheidung — und fragst dich dann, ob es die richtige war.
Das ist normal. Entscheidungen sind schwer, weil wir emotional sind, nicht nur rational. Unsere Gefühle schwanken je nach Tageszeit, je nachdem wen wir gerade gesprochen haben, je nachdem welche Nachrichten wir gelesen haben.
Es gibt aber eine bewährte Methode, um über diese Emotional-Schwankungen hinauszukommen: die Pro-Contra-Liste. Und eine ganz besondere Variante davon stammt von einem Mann, der vor 250 Jahren gelebt hat — Benjamin Franklin.
Franklin entwickelte nicht einfach eine Liste mit zwei Spalten. Er erfand eine Methode, die bis heute funktioniert und die ich dir heute zeigen möchte.
Benjamin Franklin war nicht nur einer der Gründerväter der USA. Er war auch ein praktischer Denker, ein Erfinder, ein Diplomat. Und er musste ständig komplexe Entscheidungen treffen.
1772 schrieb Franklin einen Brief an den Wissenschaftler Joseph Priestley. In diesem Brief beschrieb er, wie er persönlich schwierige Entscheidungen trifft. Sein Ansatz war revolutionär, weil er nicht einfach sagte: „Schreib eine Liste auf.“ Stattdessen erklärte er einen durchdachten Prozess mit Gewichtung.
Das Interessante an Franklins Ansatz: Er wusste, dass der menschliche Verstand nicht alle Argumente gleichzeitig im Blick haben kann. Deshalb sammelte er über mehrere Tage — nicht nur die Argumente, die ihm gerade einfallen, sondern alle, die ihm im Laufe der Zeit in den Sinn kommen.
Dann geschah etwas Kluges: Er gewichtete nicht alle Argumente gleich. Ein Argument, das für dich existenziell ist, zählt mehr als eines, das nur eine kleine Unbequemlichkeit bedeutet.
Du könntest sagen: Benjamin Franklin hat eine emotionale Stabilisierungs-Methode erfunden, lange bevor die Psychologie diesen Begriff verwendet hat.
„Im Zweifelsfall nicht.“
Benjamin Franklin
Nimm dir ein Blatt Papier oder öffne ein Dokument. Schreibe die Entscheidung oben hin: „Soll ich meinen Job wechseln?“ oder „Soll ich umziehen?“ oder „Soll ich diese Partnerschaft eingehen?“
Nun kommt das Wichtigste: Sammle deine Argumente nicht an einem Tag. Lass das Blatt liegen. Über die nächsten 2–3 Tage kommen dir ständig neue Gedanken in den Sinn. Notiere sie alle auf der Pro-Seite oder der Contra-Seite.
Warum ist das so wirksam? Weil dein Gehirn unterschiedliche Perspektiven hat, je nachdem wie du dich fühlst. Am Morgen siehst du vielleicht nur die Chancen. Am Abend kommen dir die Risiken in den Sinn. Wenn du beide Phasen nutzt, bekommst du ein vollständigeres Bild.
Nicht alle Argumente sind gleich wichtig. Das ist der Unterschied zwischen Franklins Methode und einer einfachen Pro-Contra-Liste.
Neben jedes Argument schreibst du eine Zahl: 1 bis 5.
Beispiel: Du überlegst, ob du ein neues Projekt annehmen sollst.
Schon siehst du: Die Contra-Seite hat höhere Gewichte. Das ist ein Signal.
Hier macht Franklin etwas Geniales: Er streicht Argumente gegenseitig durch.
Wenn du auf der Pro-Seite ein Argument mit Gewicht 5 hast und auf der Contra-Seite auch, dann streichen sie sich gegenseitig aus. Sie heben sich auf.
Dann nimmst du das nächste stärkste Argument. Pro-Gewicht 4, Contra-Gewicht 4? Auch raus. Bis zum Schluss.
Was übrig bleibt, ist die wahre Tendenz deiner Entscheidung. Und noch wichtiger: Du siehst jetzt, welche Faktoren wirklich zählen.
Nach dieser Rechnung ist deine Entscheidung wahrscheinlich klar. Aber das Größte ist: Du erkennst, was wirklich das Problem ist.
Vielleicht hast du vorher gedacht: „Ich bin mir einfach unsicher.“ Nach der Pro-Contra-Methode mit Gewichtung siehst du: „Aha, es geht nicht um die Idee selbst, sondern um die Zeit mit meiner Familie.“
Das ist Gold. Das ist echte Klarheit.
Nachdem du alles durchgearbeitet hast, setz dich hin und spür hin: Wie fühlt sich die Tendenz an?
Wenn die Rechnung klar sagt: „Pro überwiegt,“ aber du hast ein mulmiges Gefühl im Bauch — dann vertrau dem Bauchgefühl noch nicht. Es könnte sein, dass du noch nicht alle Argumente gesammelt hast.
Aber wenn die Rechnung klar ist UND dein Bauchgefühl nickt? Dann kannst du handeln mit echtem Vertrauen.
Stell dir vor, du bist Freiberufler und überlegst, ob du dich als GmbH gründen sollst.
Deine Pro-Spalte:
Pro-Summe: 10 Punkte
Deine Contra-Spalte:
Contra-Summe: 10 Punkte
Jetzt die Gegenrechnung: Punkt 5 gegen Punkt 5? Heben sich auf. Punkt 3 gegen Punkt 3? Auch raus. Bleiben: Punkt 2 gegen Punkt 2? Auch weg.
Resultat: Es ist ausgeglichen.
Aber warte — beim genaueren Hinschauen merkst du: Die Haftungsbegrenzung ist nicht wirklich 5, wenn du wenig Risiko in deinem Business hast. Sie ist eher eine 3. Und die Verwaltungsaufwand ist wirklich eher eine 4, weil du ohnehin schon viel am Schreiben bist.
Jetzt wird es klarer. Und vor allem: Du weißt jetzt, auf welchen Punkt es ankommt. Es geht nicht um abstrakte Gründung. Es geht um die Frage: Wie viel ist dir die Sicherheit wert vs. wie sehr nervt dich der Aufwand?
Das ist eine viel bessere Entscheidungsgrundlage als „Ich bin mir unsicher.“
„Wenn du überzeugen willst, musst du zum Interesse appellieren, nicht zum Verstand allein.“
Benjamin Franklin
Manche Menschen schreiben eine Pro-Contra-Liste und wollen nach 30 Minuten fertig sein. Das funktioniert nicht. Franklins Geheimnis ist das Sammeln über mehrere Tage. Gib dir selbst diese Zeit. Dein Gehirn arbeitet im Hintergrund weiter.
Während du arbeitest, fällt dir noch etwas ein, das du wichtig findest. Viele Menschen denken: „Das habe ich schon bedacht, ignoriere ich jetzt.“ Nein! Schreib es auf. Jedes neue Argument zeigt dir, dass dein Unterbewusstsein noch nicht wirklich entschieden hat.
Das ist der häufigste Fehler. Wenn du alle Punkte gleichwertig machst, geht der ganze Vorteil der Methode verloren. Die Gewichtung ist der Kern.
Nimm dir Zeit bei der Gewichtung. Frag dich: „Würde mich dieses Argument wirklich von meiner Entscheidung abbringen, oder ist es eher eine kleine Unbequemlichkeit?“
Manche Menschen denken: „Pro-Contra-Liste ist rational, da zählen keine Gefühle.“ Das ist falsch. Deine Gefühle sind Daten. Wenn dir ein Argument emotional sehr wichtig ist, dann gewichte es höher. Die Methode ist nicht „gegen“ deine Gefühle, sondern ordnet sie.
Diese Methode funktioniert besonders gut bei:
Wenn du aber vor einer sehr komplexen Entscheidung stehst mit vielen Alternativen, dann könnten andere Methoden besser sein. Zum Beispiel die Eisenhower-Matrix, wenn es um Prioritäten geht, oder eine strukturiertere Methode wie die Nutzwertanalyse, wenn viele Kriterien zählen.
Morgen: Nimm dir 10 Minuten Zeit. Schreib eine Entscheidung auf, die du gerade triffst oder treffen musst. Sammle deine Argumente.
Nächste 2–3 Tage: Lass die Liste liegen. Jedes Mal wenn dir ein neues Argument einfällt, notiere es.
Dann: Gewichte deine Argumente, rechne gegeneinander auf, und schau was übrig bleibt.
Danach: Vertrau dem Prozess. Und vor allem: Erkenne, was wirklich das zentrale Thema ist, das deine Entscheidung treibt.
Während du diese Methode anwendest, könnte dir eine Frage kommen: „Warum treffe ich manche Entscheidungen so leicht, andere so schwer?“
Das hat oft mit deiner persönlichen Entscheidungspersönlichkeit zu tun — mit deinen Werten, deiner Risikobereitschaft, deiner Intuition.
Wenn du verstehen möchtest, wie deine Persönlichkeit Entscheidungen prägt, dann schau dir meinen COLORLYTIX®-Persönlichkeitstest an. Er zeigt dir in 5 Minuten, welcher Entscheidungstyp du bist — und warum du manchmal Bauchentscheidungen triffst, manchmal rationale.
Mit diesem Wissen wird die Pro-Contra-Liste noch mächtiger. Du triffst nicht nur bessere Entscheidungen, du verstehst auch, warum du sie triffst.
Benjamin Franklins Pro-Contra-Methode ist über 250 Jahre alt. Und sie funktioniert immer noch, weil sie ein fundamentales menschliches Problem löst: Wir können nicht alle unsere Gedanken gleichzeitig im Kopf haben.
Franklins Genie war, dies zu verstehen und einen Prozess zu schaffen, der unseren natürlichen Schwächen entgegenwirkt. Nicht durch Willenskraft, sondern durch System.
Mit der Pro-Contra-Liste gewinnst du:
Probier es morgen aus. Und wenn du merkst, dass deine Entscheidungen immer noch zögerlich sind, dann könnte es daran liegen, dass du deine eigene Entscheidungspersönlichkeit noch nicht wirklich kennst.
Das ist kein Makel. Das ist normal. Und genau dafür gibt es Wege, sich selbst besser zu verstehen.
„Gut gemacht ist besser als gut gesagt.“
Benjamin Franklin
[1] Franklin, Benjamin. „Letter to Joseph Priestley on Moral Algebra,“ 1772. https://www.themarginalian.org/2018/11/14/benjamin-franklin-joseph-priestley-pros-cons/
[2] Wikipedia: „Decisional Balance Sheet“ — https://en.wikipedia.org/wiki/Decision_making#Decisional_balance_sheet
[3] Karsten Homann: „Eisenhower-Matrix im Alltag anwenden“ — Wenn deine Entscheidung auch strukturieren musst.
Karsten Homann ist Entscheidungsmentor und Farbpsychologe. Er unterstützt Führungskräfte, Unternehmer und Coaches dabei, nicht nur bessere Entscheidungen zu treffen, sondern diese auch konsequent umzusetzen. Weitere Ressourcen: karsten-homann.de
30 Minuten, die Klarheit schaffen – persönlich, kostenlos und verbindlich.
In einem kurzen Erstgespräch klären wir gemeinsam,
welches Anliegen Sie bewegt und wie ich Sie, Ihr Team oder Ihre Veranstaltung
am besten unterstützen kann.
Sie erhalten eine klare Einschätzung, erste Impulse
und eine Empfehlung, die zu Ihrer Situation passt.
Ich freue mich darauf, Sie kennenzulernen – und gemeinsam herauszufinden, welcher nächste Schritt für Sie oder Ihr Team sinnvoll ist.
Mit dem Absenden stimmen Sie zu, dass wir Ihre Angaben zur Kontaktaufnahme nutzen.
Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ein Widerruf ist jederzeit möglich.
Ich freue mich sehr, dass du dich für meine Seminare interessierst!
Mir ist es besonders wichtig, dass du von Anfang an das gute Gefühl hast, im richtigen Seminar zu sein – genau dort, wo du die Impulse, Antworten und Erkenntnisse bekommst, die du dir wünschst.
Damit du das für dich gut einschätzen kannst, biete ich dir ein kurzes, unverbindliches Zoom-Erstgespräch an. In diesem Gespräch klären wir gemeinsam alle offenen Fragen – transparent, ehrlich und ganz in Ruhe. Ich nehme mir gern die Zeit, um mit dir herauszufinden, ob das Seminar wirklich zu dir und deinen aktuellen Themen passt.
Hast du Fragen zu einem meiner Seminare? Lass uns sprechen!
Ich freue mich sehr über dein Interesse an meinen Seminaren! Mir ist es besonders wichtig, dass du von Anfang an das gute Gefühl hast, im richtigen Seminar zu sein – genau dort, wo du die Antworten, Erkenntnisse und Impulse bekommst, die du suchst.
Deshalb biete ich dir die Möglichkeit, in einem kurzen Zoom-Erstgespräch alle offenen Fragen zu klären. Ganz unverbindlich und transparent. Ich nehme mir gern die Zeit, um mit dir herauszufinden, ob das Seminar wirklich zu dir passt.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Vimeo. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen